werfen


werfen
werfen:
Das gemeingerm. Verb mhd. werfen, ahd. werfan, got. waírpan, engl. to warp »sich werfen, krümmen«, schwed. värpa »Eier legen« ist verwandt mit lit. ver̃pti »spinnen« (eigentlich »drehen«), russ. vérba »Weide« (nach den biegsamen, zum Flechten dienenden Zweigen benannt). Das Verb »werfen« bedeutet demnach eigentlich »drehen, winden«, woraus sich die Bedeutung »mit drehend geschwungenem Arm schleudern« entwickelt hat. Alle erwähnten Wörter gehören zu der unter Wurm dargestellten idg. Wortgruppe. Bildungen zu »werfen« sind Wurf und Würfel. Seit mhd. Zeit wird »werfen« auch im Sinne von »Junge zur Welt bringen« verwendet; beachte auch den reflexiven Gebrauch im Sinne von »uneben werden, sich verziehen«. – Präfixbildungen und Zusammensetzungen: abwerfen »herabfallen lassen; von sich werfen; ablegen; als Ertrag einbringen« (mhd. ab‹e›werfen); anwerfen »an etwas werfen; in Gang setzen« (mhd. an‹e›werfen, ahd. anawerfan), dazu Anwurf (in der Bedeutung »Schmähung« 2. Hälfte des 19. Jh.s); aufwerfen (mhd. ūfwerfen; im Sinne von »eine Frage aufwerfen« seit dem 16. Jh.); auswerfen »nach außen schleudern; irgendwohin werfen; (Schleim) absondern und ausspucken; produzieren; zur Ausgabe bestimmen« (mhd. ūz̧werfen, ahd. ūz̧werfan), dazu Auswurf (im 14. Jh. auz̧wurf); einwerfen »in etwas werfen, fallen lassen; durch einen Wurf zertrümmern; einwenden« (mhd. īnwerfen, ahd. inwerfan), dazu Einwurf (in der Bedeutung »Einwand« frühnhd.); entwerfen (s. d.); überwerfen »über etwas werfen, lose umhängen« (mhd. überwerfen, ahd. ubarwerfan; »sich mit jemandem überwerfen« im Sinne von »mit jemandem in Streit geraten« seit dem 16. Jh., eigentlich »sich mit jemandem am Boden rollen«, dazu Überwurf (in der Bedeutung »Kleidungsstück« seit dem 17. Jh.); unterwerfen »in seine Gewalt, unter seine Herrschaft bringen; sich in jemandes Herrschaft stellen; sich beugen, sich fügen; sich unterziehen« (mhd. underwerfen, ahd. untarwerfan), dazu mhd. underwurf »Unterwerfung«, das dem Adjektiv unterwürfig »knechtisch, hündisch ergeben, devot« (15. Jh.) zugrunde liegt; verwerfen »als unbrauchbar, nicht gut o. ä. aufgeben; als unberechtigt ablehnen; sich werfen, sich verziehen« (mhd. verwerfen, ahd. farwerfan), dazu verwerflich »schlecht, unmoralisch und daher tadelnswert« (17. Jh.) und Verwerfung (mhd. verwerfunge); vorwerfen »nach vorne werfen; vor jemanden hinwerfen; tadelnd vor Augen führen« (mhd. vürwerfen, ahd. furiwerfan; in der Bedeutung »tadeln« seit dem 15. Jh.), dazu Vorwurf (mhd. vürwurf »Gegenstand, Objekt«; in der Bedeutung »Tadel« seit dem 16. Jh.).

Das Herkunftswörterbuch . 2014.

Synonyme:

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  • Werfen — Wêrfen, verb. irregul. act. Präs. ich werfe, du wirfst, er wirft, wir werfen, u.s.f. Conj. werfe; Imperf. warf, (ehedem wurf,) Conj. würfe; Particip. geworfen. Es bedeutet, einen Körper mit Heftigkeit durch den freyen Luftraum forttreiben, und… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Werfen — Werfen …   Deutsch Wikipedia

  • Werfen — Blason inconnu …   Wikipédia en Français

  • werfen — Vst. std. (8. Jh.), mhd. werfen, ahd. werfan, as. werpan Stammwort. Aus g. * werp a Vst. werfen , auch in gt. wairpan, anord. verpa, ae. weorpan, afr. werpa. Da Wörter für werfen häufig aus der Bedeutung drehen übertragen werden, ist wohl eine… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • werfen — V. (Grundstufe) etw. aus der Hand irgendwohin schleudern Synonym: schmeißen Beispiele: Er hat die Zeitung in den Mülleimer geworfen. Wirf den Brief in den Briefkasten! Die Kinder haben mit Steinen geworfen. Kollokation: etw. aus dem Fenster… …   Extremes Deutsch

  • Werfen [1] — Werfen, 1) die Handlung, vermöge welcher ein in der Hand gehaltener Körper durch eine schwingende u. stoßende Bewegung der Hand u. des Arms mit mehr od. minderer Gewalt u. Schnelligkeit so fortbewegt wird, daß er mit zeitweiliger Überwindung der… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • werfen — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Bsp.: • Er konnte den Ball sehr weit werfen …   Deutsch Wörterbuch

  • Werfen [2] — Werfen, 1) Bezirk im österreichischen Herzogthum Salzburg; 2) Marktflecken darin, links an der Salzach, Sitz des Bezirks u. Steueramts, der Eisenwerksverwaltung, Kapuzinerconvent (seit 1736), ärarisches Eisenhüttenwerk; 1500 Ew. Dabei das… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Werfen [1] — Werfen, s. Leibesübungen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Werfen [2] — Werfen, das Gebären von Jungen bei den Hunden und den vierläufigen Raubtieren; auch das Abnehmen der Haube und Fliegenlassen eines Falken …   Meyers Großes Konversations-Lexikon